„Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war lag Berlin „in Schutt und Asche“. Unsere Wohnung war durch eine Bombe zerstört. Zunächst waren wir zu Verwandten in die Lausitz gezogen.
Wegen Enteignung des Besitzes anschließend wieder nach Berlin zurückgekehrt: Wegen großem Wohnungsmangel musste man sich den Wohnraum mit vielen Personen teilen! Die Ernährungssituation war äußerst dürftig, besonders in den Jahren 1948/49. In dieser Lage waren die Amerikaner, in deren Verwaltungsbereich die Insel lag, auf eine wundervolle Idee für uns Kinder gekommen. Sie richteten ein Ferienlager ein. Man musste sich bei einer deutschen Behörde melden, die Interesse hatte. Der Ansturm war groß. Begünstigt waren Kinder bis zu 12 Jahren (so genau habe ich das nicht mehr in Erinnerung, ich bin 89 Jahre alt).
Um auf die Insel zu kommen, musste man bis zum S-Bahnhof Wannsee fahren – einer der wenigen schon funktionierenden Verkehrsmittel; der übrige Weg musste zu Fuß erledigt werden.
Am Ufer der Insel angekommen gab es als „Fähre“ ein großes Holzbrett (anders kann man es nicht beschreiben, ca. 5 x 10m groß). Beidseitig liefen dicke Seile von Ufer zu Ufer. Mit dicken Holzkeilen wurde die „Fähre“ von den Besuchern bewegt und zur Insel gezogen. Auf der Insel angekommen, empfing uns ein wunderschöner Pfau, sehr zutraulich: Von mir ließ er sich den Rücken kraulen. An einem Kassenhäuschen wurden 5 DM verlangt für ein Foto des Teilnehmers, keine weiteren Kosten. Zuvor hatte man uns geraten, eine Decke und „etwas für den Kopf" mitzubringen. Das war für mich schon ein Problem: Eine befreundete Familie hat mir das geliehen.
Auf einer großen Wiese hatten die Amerikaner große Zelte aufgestellt für jeweils 10 Personen, ausgestattet mit Klappliegen und einer Decke. Wir waren zur Mittagszeit eingetroffen. Man hat uns mit einem gut gefüllten Teller Suppe begrüßt. Satt zu sein, war ein sehr ungewohntes Gefühl.
In den folgenden Tagen führte man uns über die Insel. Das schöne Schloss war zunächst verschlossen. An den folgenden Tagen wurde es kurzfristig geöffnet. Es war leer. Die Möblierungen wurden gesichert und befanden sich woanders. Bis zum Balkon durften wir gehen und die schöne Umgebung bewundern. Leider war auch das Schloss teilweise vom Kriegsgeschehen nicht verschont geblieben.
Beschäftigt wurden wir mit sportlichen Übungen und Spielen. Wir haben uns auch nützlich gemacht. Die Insel war ja längere Zeit nicht ausreichend gepflegt worden. Wir haben Laub gefegt und Unkraut gezupft. Dabei machte man wundervolle Entdeckungen: Wir haben viele „Bewohner“ gesehen, die ein Stadtkind vorher nur selten gesehen hatte, z. B. Mäuse, zwei Hamster, einen Fuchs, zwei Schildkröten, eine Blindschleiche. Um uns herum viele Vögel.
Es war ein Erlebnis, den Tieren so nahe zu sein, die teilweise sehr zutraulich waren.
Es gab außer dem Schloss noch weitere Gebäude und die Pfauenkäfige, in denen sich nur wenige Pfauen befanden. Die Käfige waren beschädigt.
Ein wunderschönes Holzhaus war noch erhalten. Wenig später wurde es mutwillig angezündet (inzwischen wurde es wieder originalgetreu aufgebaut).
Als wir auf der Insel waren, war es sommerlich warm. Wir wären gerne in das Wasser gegangen: Streng verboten. Einige Zeit vorher hatte man Unmengen Munition ins Wasser „entsorgt“, die später herausgeholt worden sind. In späteren Jahren durfte man dann auch das Wasser genießen.
Viele Zeit später wurde die Einrichtung des Schlosses wieder zurückgebracht, die Pfauenkäfige repariert und auch Pfauen angesiedelt.
Jetzt ist der Besuch der Insel ein wundervolles Erlebnis. Jeder Berlinbesucher sollte es nicht versäumen, die Insel zu besuchen.“