Rückkehr des „Bogenschützen“

Die restaurierte Plastik von Ernst Moritz Geyger ist wieder im Park Sanssouci zu sehen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat die Plastik des „Bogenschützen“ im Großen Parterre (Neues Stück) unterhalb des Orangerieschlosses im Potsdamer Park Sanssouci wieder aufgestellt. Die 3,50 Meter hohe Figur war im Mai 2024 im Auftrag der SPSG für eine umfassende Restaurierung nach Berlin transportiert worden.

Das monumentale Bildwerk gehört zu den bekanntesten Schöpfungen des Malers und Bildhauers Ernst Moritz Geyger (1861-1941). Sein 1895 entstandener Entwurf wurde von dem in Potsdam wirkenden Blechner und Metallbildner Gustav Lind als Kupfertreibarbeit realisiert. Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) erwarb den „Bogenschützen“ für die Aufstellung im Park Sanssouci im Jahr 1900 auf der Großen Kunstausstellung in Berlin für den Preis von 10.000 Mark. Von 1902 bis 1927 stand die Plastik in der Mitte des Sizilianischen Gartens, danach bis 1960 im Hippodrom in der Nähe des Schlosses Charlottenhof und seit 1960 am jetzigen Standort unterhalb des Orangerieschlosses.

Geygers „Bogenschütze“ erfreute sich Anfang des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit: Sowohl verkleinerte Repliken als auch überlebensgroße Galvanoplastiken wurden nach dem Modell hergestellt. Von den vier 1902 hergestellten monumentalen Bronzegüssen steht zum Beispiel eine seit 1936 im Staudengarten am Neustädter Elbufer in Dresden.

Die Schäden

1986 wurde der „Bogenschütze“ durch ein Sturmtief vom Sockel gestoßen. Mit Gesicht und Bogen kam er auf dem Boden auf, wodurch der Bogen, die Arme und der linke Fuß deformiert wurden. Die Plinthe war aus der Verankerung gerissen. Kurz darauf überarbeitete man zwar das Kunstwerk und stellte es wieder auf, doch die veränderte Körperhaltung und Armposition wurde nicht zurückgeformt, der unbefriedigende Eindruck des aus der Form geratenen Athleten blieb erhalten. 2017 wurde im Rahmen einer studentischen Bachelorarbeit die Erfassung des Zustandes der Plastik begonnen, die Schäden genau recherchiert und aufgenommen.

Die Restaurierung

So war die Rückformung des deformierten Oberkörpers eines der wichtigsten Ziele der nun abgeschlossenen Restaurierung. Während der Fachbereich Steinrestaurierung der SPSG für die Behandlung des Marmorsockels, der vor Ort blieb, planerisch und überwachend verantwortlich war, betreute der Fachbereich Metallrestaurierung die Arbeiten am „Bogenschützen“ selbst.
Die Plastik wurde im Mai 2024 demontiert und mit einem angepassten Transportgestell in die Werkstatt Haber & Brandner nach Berlin transportiert. Vor den Arbeiten waren sämtliche Zustände und Schäden nochmals genauestens zu dokumentieren und zu kartieren. Die Oberflächen der Kupferfigur wurden anschließend gereinigt, Risse und Löcher geschlossen.

Da mit dem Sturmschaden von 1986 die Körperhaltung und -position stark verändert waren, mussten an Rumpf und Armen umfangreiche Richtarbeiten durchgeführt werden. Hierfür wurde durch den Fachbereich Metallrestaurierung der SPSG ein 3D-Modell erstellt, das für die Herstellung des Transportgestells, der Innenkonstruktion und zur Korrektur der Körperhaltung die Maßvorgaben lieferte.

Für die Bearbeitung musste die Plastik im Hüftbereich getrennt werden, um die Reste der verrosteten Innenkonstruktion demontieren und eine neue Tragkonstruktion aus Edelstahl herstellen zu können. Auch der stark deformierte Bogen mit Sehne wurde rückgeformt, die Anbindung an die Hand überarbeitet und stabilisiert. Eine abschließend aufgebrachte Wachskonservierung schützt die Plastik künftig vor Umwelteinflüssen und Graffiti und erleichtert eine regelmäßige Reinigung.

Im Rahmen der Kooperation mit der SPSG haben die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci dieses Restaurierungsprojekt 2024 durch Ticketverkäufe unterstützt. 

Pressekontakt

Frank Kallensee
SPSG | Generaldirektion
Pressesprecher
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Telefon: 0331.96 94-318

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